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Vereinte Kräfte für die Synagoge

aus der Rheinpfalz, Südwestdeutsche Zeitung vom 21.11.2008 von Karin Dauscher

Mainz ist die einzige Landeshauptstadt, in der es noch kein repräsentatives jüdisches Gotteshaus gibt. Zehn Jahre liegen die Pläne für den exponierten Bau bereits in der Schublade. Am Sonntag ist endlich Grundsteinlegung.

MAINZ. Modern und ein bisschen experimentell war schon die Vorgängerin der geplanten Synagoge: Vor fast 100 Jahren entstand die Haupt synagoge in der Mainzer Neustadt ohne die damals üblichen Gitter vor den Frauenplätzen und mit einer Orgel, ganz im Geist des liberalen Judentums. 1912 im Jugendstil errichtet, bildete sie eine städtebauliche Einheit mit dem katholischen Dom und der evangelischen Christuskirche - bis die Nationalsozialisten am 8. November 1938 zündelten. 70 Jahre danach wird am Sonntag an gleicher Stelle der Grundstein für eine neue Synagoge gelegt - wie jüngst in Speyer und vor 47 Jahren in Worms.

Mit dem jüdischen Gotteshaus werde erst der Wiederaufbau der Stadt Mainz nach dem Krieg abgeschlossen sein, heißt es dieser Tage häufig. Seine Architektur wird auffallen. Die gezackten Linien der Silhouette bilden den Begriff „Keduscha", ein hebräischer Segensspruch. Der in Köln und Basel arbeitende Architekt Manuel Herz hatte sich 1999, damals gerade 29 Jahre alt, im Wettbewerb klar durchgesetzt. Stadt und Land teilen sich die zehn Millionen Euro, die die Errichtung und die Grundstücksbeschaffung kosten. Die Einrichtung übernimmt die jüdische Gemeinde mit Unterstützung eines Vereins.

„Es ist ein exponierter Bau", sagt Stella Schindler-Siegreich, seit vier Jahren Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Mainz. Sie hofft, dass der Ort den Mitgliedern helfen wird, sich zu verwurzeln. Mehr als 1000 Mitglieder zählt die jüdische Gemeinde, die meisten von ihnen sind in den 90er Jahren aus den Ländern der ehemaligen Sowjetunion zugezogen. Die Synagoge soll außerdem ein Zeichen nach außen senden, sagt Schindler-Siegreich. Symposien oder gezielte Programme für Schüler werden sich auch an Menschen nicht-jüdischen Glaubens richten. Die jüdische Gemeinschaft sei in früherer Zeit immer Teil der städtischen Gemeinschaft, des politischen und kulturellen Lebens gewesen, sagt sie, entsprechend wolle sie keine „museale", sondern eine „lebendige" Form des Miteinanders pflegen.

In der Mainzer Bevölkerung, besonders unter den politisch und kulturell engagierten Bürgern, ist dieser Gedanke ebenfalls verankert. Ein Kuratorium und ein Verein haben sich seit gut zehn Jahren stark gemacht für den Neubau der Synagoge.

Das Grundstück in der Hindenburgstraße hatte die jüdische Gemeinde in den 1950er Jahren an die Stadt verkauft, die es wiederum an den Bund veräußerte. Die Gemeinde zählte damals weniger als 100 Mitglieder - zu wenig für den großen Grundbesitz. Sie richtete sich in einem unscheinbaren Gebäude ein. Als die Gemeinde in den neunziger Jahren durch den Zuzug aus den ehemaligen Staaten der Sowjetunion wuchs, wurde es eng. Der Gedanke, das damals leer stehende Proviantamt in Mainz in ein jüdisches Gotteshaus umzuwidmen, fand wenig Freunde. Das Hauptzollamt, das der Bund auf dem ehemaligen Synagogengelände errichtet hatte, stand leer. Doch die Finanzierung war offen und die jüdische Gemeinde war vollauf mit der Integration ihrer zahlreichen neu zugezogenen Mitglieder beschäftigt. Ob ein Neubau notwendig sei, war zeitweise sogar innerhalb der Gemeinde sehr umstritten.

Herman-Hartmut Weyel (SPD) von 1987 bis 1997 Oberbürgermeister von Mainz, war von Beginn an für die Synagogenpläne, die die frühere Gemeinde-Vorsitzende Esther Epstein angestoßen hatte. Ihm lag die Aussöhnung mit den Juden und die jüdische Kultur am Herzen. Während seiner Amtszeit bemühte er sich um den Kontakt zu Mainzer Juden, die den Holocaust überlebt hatten. Er gehörte zu den Mitbegründern des Mainzer Kuratoriums für eine neue Synagoge, dem auch der Bischof und der Kirchenpräsident angehören. Für den Neubau an der historischen Stätte machte sich außerdem schon früh der Verein „Eine Neue Synagoge für Mainz" stark. Der Verein hat zudem eine Stiftung ins Leben gerufen, die bei der Unterhaltung des jüdischen Gotteshauses helfen soll.

Eine Orgel wird in der neuen Synagoge übrigens nicht stehen. Weil die große Mehrheit der Gemeinde aus der ehemaligen Sowjetunion stammt, sei sie eher an den traditionellen Gottesdienst gewöhnt, sagt Stella Schindler-Siegreich.

 


© Jüdische Gemeinde Mainz