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Synagoge soll Zeichen der Hoffnung sein

aus der Mainzer Allgemeinen Zeitung vom 24.11.2008 von Werner Wenzel

Grundstein für jüdisches Gemeindezentrum gelegt/Knobloch: "Ein kleines Wunder"

Mit einer feierlichen Zeremonie wurde gestern vor 500 Gästen der Grundstein der neuen Synagoge in der Hindenburgstraße gelegt - an der Stelle, wo vor 70 Jahren die Mainzer Hauptsynagoge von den Nazis niedergebrannt wurde.

 

"Wir sollten uns sehr darüber freuen, dass jüdisches Leben wieder sichtbar wird", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, zum Baubeginn des neuen Synagogenzentrums nach dem spektakulären Entwurf von Manuel Herz. Dass solch ein Neubau begeistert gefeiert werde, sei angesichts der deutschen Geschichte fast "ein kleines Wunder". Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz, Stella Schindler-Siegreich, sprach von einem "tief bewegenden Ereignis", einem Augenblick der "durch die Erinnerung an die schmerzliche Vergangenheit, aber auch besonders durch Freude, Dankbarkeit und Hoffnung geprägt" sei. "Der Weg bis zur Grundsteinlegung war ein langer, ein beschwerlicher", sagte sie und dankte den Mitstreitern sowohl in der Politik als auch im Kuratorium des Vereins "Eine neue Synagoge für Mainz".

Nachdem es in Worms bereits seit 48 Jahren wieder eine Synagoge gebe, sagte Ministerpräsident Kurt Beck, in Speyer am 9. November der Grundstein gelegt wurde, erhalte nun auch Mainz als dritte der seit dem Mittelalter herausragenden Städte jüdischen Lebens wieder eine Synagoge. Er sprach von einem "Morgen, der uns Hoffnung geben kann". Der Bau der Synagoge sei auch ein Zeichen "gegen totalitäre Ausgrenzung".

Am Standort der ehemaligen Hauptsynagoge entstehe ein "Bauwerk der Hoffnung, der Lebendigkeit, der Zukunftsfreude und Kommunikation und zugleich ein Zeichen der Erinnerung, ohne zum Mahnmal zu erstarren", sagte Oberbürgermeister Jens Beutel. Er freue sich über das Wiederaufblühen der jüdischen Gemeinde, so der OB. "Wenn die Synagoge steht, wird die im zweiten Weltkrieg zerstörte Silhouette der Stadt geheilt sein", sagte er.

Mit dem traditionellen Totengebet "El male rachamim", vorgetragen vom Wiesbadener Rabbiner und Kantor Avraham Nussbaum, gedachten die Gemeindemitglieder der sechs Millionen von den Nazis und ihren Helfern ermordeten Juden.

"Möge sich jeder Fluch in einen Segen umwandeln, jedes Leid in Freude", sagte Rabbiner Julian Chaim Soussan von der Orthodoxen Rabbinerkonferenz Deutschland bei seinen Segenswünschen.

Eigens aus Tacoma im US-Bundesstaat Washington war Kurtis R. Mayer, Überlebender des Holocaust und früheres Mitglied der Mainzer Gemeinde, mit seiner Familie angereist und legte gemeinsam mit den Offiziellen den Grundstein.

Um 12.42 Uhr schließlich war es vollbracht, der Grundstein versiegelt mit einer großen grünen Kachel, wie sie später das Äußere der Synagoge zieren sollen. Stella Schindler-Siegreich hatte zuvor strahlend die in einer Metallhülse verpackte Urkunde hineingelegt. Am Ort der ehemaligen Hauptsynagoge, so heißt es in dem Schriftstück, entstehe "ein Haus des Lebens, Lernens, Lehrens und Betens". Die Synagoge möge "in der Tradition des alten Magenza stehen, das einst als richtungsweisende Lehrstätte des askenasischen Judentums in aller Welt bekannt war" und die Prophezeiung Jesaias erfüllen: "Mein Bethaus soll ein Bethaus genannt werden für alle Völker."

Nach den Segenswünschen der Rabbiner brach sich dann Freude Bahn auf den Trümmern des Hauptzollamtes, wo nun bis 2010 die Synagoge gebaut wird, spontan stimmten die Gemeindemitglieder das "Shalom alechem" an.

 


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