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Lesung "Abel, steh auf!"

Texte zur Shoah in Lyrik und Prosa

Am 27.1.2010 um 19 Uhr in der Synagoge Forsterstraße 2, 55118 Mainz


Darf man die Gräuel der Shoah darstellen?

An Gedenktagen, die an die Shoah erinnern, scheint sich das Bilderverbot der hebräischen Bibel in seiner Notwendigkeit zu bestätigen. Je mehr man in Reden und Kommentaren von diesem unbegreiflichen Ereignis spricht, desto blasser und nichtiger wird es in seiner Wirkung. Die Erinnerung scheint in den grauen Nebeln der Gewohnheit zu versinken. Die Menschen verlieren die Möglichkeit, das Schreckliche, ja Ungeheuerliche dieses Ereignisses zu fühlen und zu empfinden.

Auf der anderen Seite ist es die Pflicht der jüdischen Gemeinden, an die Opfer dieses Unrechts zu erinnern. Wer, wenn nicht wir, hat den Nachgeborenen davon zu berichten.

Stella Schindler-Siegreich, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Mainz: "Wir sind also in einer misslichen Lage gefangen. Juden müssen laut sprechen, wo es vielleicht besser wäre zu schweigen."

Um uns aus dieser Schwierigkeit zu befreien, haben wir beschlossen, unkommentiert unsere Stimmen den Texten und der Lyrik von Opfern des Nationalsozialismus zu leihen. Wir hoffen, dasss es diesen Texten gelingen wird, den Panzer der Gewohnheit und des Alltags zu sprengen, um das Ungeheure des Mordes an den europäischen Juden wieder fühlbar zu machen.

Dazu möchten wir Sie ganz herzlich Einladen.

 


© Jüdische Gemeinde Mainz